Ibero-Amerikanisches Institut
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Laufende Projekte

PROJEKTE IM RAHMEN DER FORSCHUNGSLINIE

Auswanderungsratgeber als Quellen der Migrationsgeschichte: das Beispiel Brasilien

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wurde die deutsche Auswanderung in die Neue Welt zu einem Massenphänomen. In Vereinen und Publikationen konnten sich Auswanderungswillige über Zielländer und deren Möglichkeiten unterrichten. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erschienen in diesem Zusammenhang verstärkt "Auswanderungsratgeber". Diese bislang in der Forschung vernachlässigte Quellenkategorie soll exemplarisch für Brasilien daraufhin untersucht werden, welche Informationen die Auswanderer über das Land und seine Bewohner erhielten, welche Reisevorbereitungen ihnen angeraten wurden und wie das Leben in den deutschen Kolonien geschildert wurde.

Koordination: Dr. Ricarda, Musser, Laufzeit: 2015-2018

Deutsche Reisende in Portugal und ihre Reisebeschreibungen zur Zeit Marias II. (1834-1853)

Im 18. und 19. Jahrhundert erlebte die Reisetätigkeit in Europa aufgrund verbesserter Infrastrukturen einen starken Aufschwung. Die Länder der Iberischen Halbinsel blieben dabei allerdings noch längere Zeit eine Art "Terra Incognita". Nach dem Ende des Bürgerkrieges 1834 und mit dem Regierungsantritt von Königin Maria II. erschienen schließlich auch vermehrt Reisebeschreibungen deutscher Reisender über Portugal. Das Projekt untersucht, wer und warum in dieser Zeit nach Portugal reiste, welche Schwerpunkte die Reisenden in ihren Beschreibungen setzen und welches Portugal-Bild dabei an das Lesepublikum in Deutschland vermittelt wurde.

Koordination: Dr. Ricarda, Musser, Laufzeit: 2015-2018

Giving focus to the Cultural Scientific and Social Dimension of EU-CELAC Relations (EULAC Focus)

EULAC-Focus ist ein bi-regionales Projekt, das sich als Ziel setzt, eine gemeinsame Vision zwischen der Europäischen Union (EU) und der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (CELAC) zu etablieren.Im letzten Jahrzehnt zeichneten sich die Beziehungen zwischen beiden Regionen durch unterschiedliche, teilweise divergierende Interessen aus. Um die Entwicklung einer gemeinsamen strategischen Ausrichtung der Beziehungen zu unterstützen, wird das Projekt den Beitrag, die Potentiale und die Herausforderung der kulturellen, wissenschaftlichen und sozialen Dimensionen der bi-regionalen Beziehungen analysieren. Die Ergebnisse fließen in die Formulierung von Empfehlungen für politische Entscheidungsträger ein.Im Projekt arbeiten 19 Institutionen zusammen — 9 aus Europa und 10 aus Lateinamerika und der Karibik. Das Konsortium zeichnet sich dadurch aus, dass nicht nur Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen beteiligt sind, sondern auch Forschungsministerien, wissenschaftliche Förderinstitutionen und Brückeninstitutionen zwischen Wissenschaft, Kultur und Politik.Hauptziel des EULAC Focus Projekt ist eine Fokussierung der Beziehungen zwischen der Europäischen Union (EU) und der Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten (CELAC). Hierbei werden drei Dimensionen berücksichtigt, die normalerweise getrennt voneinander betrachtet werden: die kulturelle Dimension, die wissenschaftliche Dimension und die soziale Dimension Jede dieser Dimensionen wird in spezifischen Arbeitspaketen erforscht (Arbeitspaket 3: Kultur; Arbeitspaket 4: Wissenschaft; Arbeitspaket 5: Soziales). Diese drei thematischen Säulen werden durch zwei horizontale Arbeitspakete ergänzt. Arbeitspaket 2 widmet sich den vier Querschnittsthemen Mobilität, Ungleichheit, Diversität und Nachhaltigkeit, während Arbeitspaket 6 die Entwicklung einer gemeinsamen strategischen Vision für die bi-regionalen Beziehungen bearbeitet.Das Ibero-Amerikanische Institut koordiniert das 2. Arbeitspaket. Jedes der vier Querschnittsthemen — Mobilität, Ungleichheit, Diversität und Nachhaltigkeit — wird in den drei thematischen Säulen analysiert. Zudem werden die Wechselbeziehungen zwischen den Querschnittsthemen untersucht.

Koordination: Dr. Barbara Göbel, Laufzeit: 2016-2019

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Kolonialzeitliche Sprachmaterialien aus dem Hochland von Guatemala im Bestand des IAI

Umfangreiche Materialien zu mesoamerikanischen Sprachen gelangten vor allem durch die Sammelaktivitäten von Walter Lehmann (1878-1939) und Eduard Seler (1849-1922) in das Ibero-Amerikanische Institut nach Berlin. Darunter befinden sich verschiedene bislang unedierte kolonialzeitliche Wörterbücher und doktrinale Texte, sowohl Originale als auch Abschriften von Manuskripten, von denen nur die Abschrift im IAI zugänglich ist. Vor allem im Nachlass Walter Lehmanns sind noch interessante Entdeckungen zu vermuten, wie das Manuskript der Arte y vocabulario del idioma Huasteco von Seberino Bernardo de Quirós aus dem Jahr 1711 zeigt. Dessen Existenz ist zwar lange bekannt gewesen, es galt aber seit dem frühen 20. Jahrhundert als verschollen, und wurde im IAI wiederentdeckt und 2013 als Buch veröffentlicht.

Dieses Projekt will die Wörterbücher und Texte des IAI zu den kolonialzeitlichen indigenen Sprachen des Hochlands von Guatemala K’iche’ und Kaqchikel schrittweise aufarbeiten. Es ist Teil eines größer angelegten Projekts zur Lexikographie dieser Sprachen von Frauke Sachse (Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn) und Michael Dürr (Freie Universität Berlin) und fügt sich auch in die internationale Kooperation mit anderen Forschern ein, die über diese Sprachen arbeiten. Die lexikographische Arbeit ist dabei in das Forschungsfeld der Missionarslinguistik eingebettet und will einen Beitrag zum besseren Verständnis der Prozesse der kolonialen Wissensproduktion und des Transfers kultureller Konzepte durch missionarische Sprachplanung leisten.

Die Dokumente werden digitalisiert und in die Digitalen Sammlungen des IAI aufgenommen. In einem zweiten Schritt werden sie in philologisch sorgfältigen Editionen in Buch- oder Artikelform der Forschung erstmals zugänglich gemacht. 2017 ist mit dem Band „Diccionario K’iche’ de Berlín. Primera edición
del Vocabulario en lengua 4iche otlatecas
“ (eds. Michael Dürr / Frauke Sachse) eines der wichtigsten kolonialzeitlichen Wörterbüchern für das K’iche’ als erste Publikation des Projekts erschienen. Weitere Editionen von Wörterbüchern und doktrinalen Texten werden folgen.


Dr. Michael Dürr; Dr. Frauke Sachse.
Koordination am IAI: Dr. Ulrike Mühlschlegel; Dr. Iken Paap.

Laufzeit: 2015-2018

Kulturzeitschriften Lateinamerikas

In diesem Erwerbungs- und Digitalisierungsprojekt plant das IAI den Erwerb von Kulturzeitschriften Lateinamerikas mit etwa 14.000 Einzelheften, aus der Zeit vom Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts. Für die Erwerbung von Kulturzeitschriften wurden Länder ausgewählt, aus denen bereits einige Titel, meistens in unvollständigen Sets, im Ibero-Amerikanischen Institut vorhanden sind und die aktuell digital, als Mikroform oder auf Papier, zum Verkauf angeboten werden.

In der Sekundärliteratur zu diesem Medium wird der Gegenstand zu anderen Zeitschriftenformaten nicht klar abgegrenzt. Inhaltlich greifen Kulturzeitschriften unterschiedlichste Themenbereiche auf. Dies verweist auf einen weitgefassten Kulturbegriff, der neben den kulturwissenschaftlich orientierten Geisteswissenschaften auch die Naturwissenschaften ausdrücklich mitberücksichtigt. Diese Interdisziplinarität ist möglicherweise das wichtigste Merkmal der Kulturzeitschriften zwischen 1880 und 1930.

Die ausgewählten Länder Argentinien, Chile, Cuba, Ecuador, Peru und Puerto Rico korrespondieren mit konkreten Nachfragen von Seiten der Forschung und bilden zudem einen ausgewogenen geographischen Querschnitt durch das Sammelgebiet des IAI. Die Zeitschriften werden, soweit es die Rechtelage erlaubt, im IAI durch die Nutzung des Workflows Goobi digitalisiert und über die entsprechenden bibliothekarischen Nachweisinstrumente frei zugänglich gemacht.

Koordination: Dr. Ricarda, Musser, Laufzeit: 2013-2016

Lateinamerikanische Kulturkritik

Die Geschichte der lateinamerikanischen Kulturkritik beginnt mit der Unabhängigkeit der meisten Nationalstaaten des Kontinents zu Beginn des 19. Jh. Aufgrund der postkolonialen Situation befasst sie sich mit der Definition nationaler Identitäten in den postkolonialen Gesellschaften und dem Ziel, entsprechend dem ideologischen Projekt der kreolischen Gelehrten, sowohl die soziale als auch kulturelle Moderne (Modernisierung – Modernität) durchzusetzen. Wegen der außerordentlichen Bedeutung der ciudad letrada in der Kolonialzeit spielen von Anfang an Literaten eine herausragende Rolle in diesem Prozess. Bis Ende der 1970er Jahre wird der überwiegende Teil der Kulturkritik aus einer literarischen Perspektive heraus formuliert. Ein erhebliches Problem der Geschichte der lateinamerikanischen Kulturkritik besteht in der Entfaltung von binären Konzepten, welche die Theorien zu den lateinamerikanischen Kultur(en) bestimmen: Universalismus versus Regionalismus, Hispanoamerikanismus/Lateinamerikanismus versus Universalismus, Moderne versus Tradition, das Indigene/Autochthone versus Moderne/Okzidentale, Land versus Stadt etc. Erst in den 1980er Jahren wendet sich die Kulturkritik anderen Medien und künstlerischen Repräsentationen zu (Populärkultur, Kunsthandwerk, Kino und generell Massenmedien). Mit der Auto-Repräsentation neuer sozialer Gruppen verringert sich die soziale und kulturelle Rolle der Gelehrten stetig, und sie repräsentieren fortan nicht mehr die „Anderen“. Globalisierung, Migration, Nomadismus, transnationale Gemeinschaften, strategische Identitäten und migrierende Subjekte sowie Deterritorialisierung konfrontieren uns mit der Notwendigkeit, die lateinamerikanische Kulturkritik zu überdenken, konzeptionell zu überarbeiten und zugleich historisch einzuordnen sowie Möglichkeiten zu ergründen, sie zu demokratisieren, ohne sie aufzugeben.

Projektkoordination: Dr. Friedhelm Schmidt-Welle. Laufzeit: 2017 – 2020.

Räume verbinden: Deutschsprachige Akademiker, Fachleute und Aktivisten im Süden Lateinamerikas (19. bis 20. Jahrhundert)

Prozesse der Formierung und Umgestaltung von Wissensfeldern und Handlungssphären unterliegen einer zweifachen Logik: Sie resultieren einerseits aus spezifischen Konstellationen lokaler bzw. nationaler Faktoren, andererseits stehen sie in Verbindung zu globalen Entwicklungen und reflektieren transregionale Transferprozesse. Von dieser Beobachtung ausgehend werden im Projekt die Aktivitäten deutschsprachiger Migranten untersucht, die in Argentinien, Chile und Uruguay im 19. und 20. Jahrhundert tätig waren. Es handelt sich um eine zahlenmäßig kleine Gruppe von Personen, die jedoch eine aktive Rolle im Hinblick auf die zwei genannten Dimensionen spielte. Um dies zu zeigen, werden die Lebenswege unterschiedlicher Akteure, wie zum Beispiel Wissenschaftler, Militärberater, Ingenieure, Techniker, politische Aktivisten und Unternehmer, analysiert. Im Fokus der Untersuchung stehen folgende Aspekte: Erstens der Kontext und die Bedingungen ihrer Ankunft und Niederlassung in den drei südamerikanischen Ländern; zweitens ihr beruflicher Werdegang und ihr öffentliches Auftreten; und drittens ‚subjektive‘ Faktoren (Ressourcen, Motivation, Interessen, Selbstverständnis), die ihre Lebenswege kennzeichnen. Diese Akteure –- so die zugrundeliegende Hypothese – überquerten nicht lediglich nationalstaatliche Grenzen, sondern vor allem die Grenzen zwischen verschiedenen Handlungssphären sowie Wissensfeldern und schufen dadurch vielfältige Verbindungen zwischen Räumen, die als vermeintlich differenziert gelten.

Koordination: Dr. Sandra Carreras; Laufzeit: 2016-2018

Vom Feld zur Wissensmetropole

Das Projekt untersucht den Prozess der Wissenszirkulation zwischen dem Feld als spezifischen Raum der Wissensproduktion und der Wissensmetropole Berlin als einem historisch etablierten Zentrum der Produktion, des Austausches und der Archivierung von Wissen aus außereuropäischen Regionen. Anhand von historischen und rezenten Feldforschungsmaterialien sollen folgende Themen untersucht werden: Was sind die Objekte und Medien des Feldes, im Sinne der materiellen Hinterlassenschaften des holistischen Erkenntnisprozesses im Feld? Wie zirkulieren Personen, Objekte, Medien und Wissen zwischen dem Feld und der Metropole Berlin? Wie werden die Objekte und Medien aus dem Feld in Berlin re-kontextualisiert und neu organisiert; d.h. zwischen unterschiedlichen Wissensarchiven aufgeteilt (z.B. IAI, Ethnologisches Museum, Naturhistorisches Museum, Medizinhistorisches Museum)? Neben historischen Analysen, die sich auf die erste Hälfte des 20 Jh. konzentrieren, soll im Projekt auch auf die Rolle der Wissenszirkulation für die Wissensarchive heute eingegangen werden. So sollen die Auswirkungen neuer Wissensformen und neuer Wege des Wissens, anders strukturierte Beziehungen zwischen Zentrum und Peripherie für die Wissensarchive heute untersucht werden. Dieses Projekt reiht sich in den Excelllencecluster "Bild Wissen Gestaltung. Ein interdisziplinäres Labor" der Humboldt Universität zu Berlin ein, in dem ich auch an weiteren Projekten beteiligt bin.

Koordination: Dr. Barbara Göbel

PROJEKTE AUSSERHALB DER FORSCHUNGSLINIE

Archäologisches Projekt Dzehkabtun

Dzehkabtun, eine Ruinenstätte der früh- bis endklassischen Mayakultur im Norden des mexikanischen Bundesstaates Campeche, ist der Forschung bekannt, seit Teobert Maler sie 1887 besuchte und verschiedene Gebäude und Monumente im Zentrum der Siedlung beschrieb, fotografierte und skizzierte.

Das seit 2012 laufende Vermessungs- und Grabungsprojekt schließt an Voruntersuchungen aus dem Jahr 2008 an, in deren Rahmen das Zentrum des Ortes durch ein Team der Universität Bonn unter Leitung von Dr. Iken Paap vermessen wurde. Dabei zeigte sich, dass Dzehkabtun um einiges größer und architekturstilistisch heterogener war als bisher angenommen - so gibt es Hinweise auf großflächige Bauaktivitäten in der End- oder Epiklassik. Diese späten Bauten unterscheiden sich in der Bauweise und Raumkonzeption von den vergleichsweise gut dokumentierten "c-förmigen Strukturen" im nördlich benachbarten Puuc-Gebiet. Sie werden im Rahmen des geplanten Projektes archäologisch untersucht, um Fragen nach der Kontinuität seit der Klassik (während derer Dzehkabtun im Übergangsgebiet von zwei architektonischen Stilregionen lag), dem soziopolitischen Gefüge und den Gründen für die Aufgabe dieser Siedlung wie auch der benachbarten Zentren auf der zentralen Halbinsel Yucatán in einen größeren regionalen Zusammenhang stellen zu können. Daneben wird die Vermessung und Kartierung der Siedlung fortgesetzt.

Die Finanzierung des Projektes erfolgt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (Sachbeihilfe).

Planung, Koordination und Grabungsleitung: Dr. Iken Paap.

Laufzeit der aktuellen, dritten Projektphase: 2016-2018.

Webseite des Projektes:

http://dzk.iberoamerika-online.de/

Lateinamerikanische Außenpolitiken im Vergleich

Ziel des Projektes ist eine vergleichende Analyse der Außenpolitiken von acht lateinamerikanischen Ländern (Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Kuba, Mexiko, Peru und Venezuela). Im Kern geht es um die Frage, welche internen und externen Variablen zur Erklärung der Außenpolitiken herangezogen werden können. Der Untersuchungszeitraum bezieht sich im wesentlichen auf die Entwicklungen seit dem Ende des Kalten Krieges. Eine besondere Berücksichtigung finden die Beziehungen zu den lateinamerikanischen Nachbarn und die Haltung gegenüber den Prozessen regionaler Kooperation und Integration.

Koordination: Dr. Peter Birle; Laufzeit: 2009-2018

Literarische Repräsentation von Erinnerung: Juan Rulfo und Julio Llamazares

„Erinnerung“ ist in den letzten 25 Jahren zu einem Querschnittsthema der Kulturwissenschaften, aber auch der Medizin, der Biologie und der klinischen Psychologie avanciert. Letztere werden meist unter dem Begriff Hirnforschung zusammengefasst. Diese hat die Funktionsweisen des menschlichen Gehirns zum Gegenstand, wobei sie in erster Linie von der Analyse von Hirnkrankheiten ausgeht, also wie immer gearteten Einschränkungen der Erinnerungsfähigkeit des Individuums bis zum völligen oder zeitweisen Verlust des autobiografischen (episodischen) Gedächtnisses. Zeitgleich wurde aus den Kulturwissenschaften heraus die Erforschung der kollektiven bzw. kulturellen Erinnerung vorangetrieben. Wie in der empirischen Hirnforschung geht man auch hier inzwischen vom (Re-)Konstruktionscharakter jeglicher episodischer Erinnerung aus. Im spanischsprachigen Raum prägen bislang Studien zur postdiktatorialen Memoria die kulturwissenschaftliche Erinnerungsforschung. Erinnerung wird in erster Linie im Kontext von historischen Traumata untersucht. Demgegenüber geht es in dem interdisziplinär angelegten Forschungsprojekt um die Untersuchung literarischer Repräsentation individueller wie kollektiver Erinnerung im Anschluss an die Erkenntnisse der Hirnforschung und der Kulturwissenschaften sowie um eine kritische Betrachtung der Konstruktion und Funktionalisierung von Vergangenheit. In einer ersten, dreijährigen Projektphase ist ein Vergleich der Repräsentation von Erinnerung in der Prosa des Mexikaners Juan Rulfo und des Spaniers Julio Llamazares geplant. Erinnerung bildet in den Texten beider Autoren ein zentrales Motiv sowie Stimulanz des Erzählprozesses. Ziel ist es, die Einschreibung der literarischen Erinnerung in die kollektive Erinnerung und ihre gleichzeitige Abgrenzung von der offiziellen Erinnerung, wie sie sich in Jahrestagen, Monumenten, Geschichtsschreibung etc. manifestiert, zu analysieren. 2012 ist der interdisziplinäre Sammelband "Culturas de la memoria. Teoría, historia y praxis simbólica" erschienen.

Koordination: Dr. Friedhelm Schmidt-Welle; Laufzeit: 2011 – 2017

Sozio-ökologische Ungleichheiten in Lateinamerika

Im Rahmen der neuen Förderlinie "Stärkung und Weiterentwicklung der Regionalstudien (area studies)" fördert das BMBF das Kompetenznetz "Interdependente Ungleichheitsforschung in Lateinamerika – desiguAldades.net". Ziel des internationalen und interdisziplinären Forschungsnetzwerkes, deren Sprecher Dr. Barbara Göbel (Ibero-Amerikanisches Institut) sowie Prof. Dr. Marianne Braig und Prof. Dr. Sérgio Costa (Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin) sind, ist die Auseinandersetzung mit sozialen Ungleichheiten in Lateinamerika, die durch wachsende globale Verflechtungen geprägt sind. Eine der vier Forschungsdimensionen des Netzwerkes sind sozio-ökologische Ungleichheiten. Sie wird von Barbara Göbel (Ibero-Amerikanisches Institut) und Dr. Imme Scholz (Deutsches Institut für Entwicklungspolitik, Bonn) koordiniert. Im Zentrum des Interesses stehen Umweltkonflikte, der ungleiche Zugang zu natürlichen Ressourcen sowie die ungleiche Verteilung von Umweltkosten und Umweltrisiken. Darüber hinaus werden Wissensassymmetrien untersucht. Zwei thematische Schwerpunkte sind die transregionalen Verflechtungen und lokalen sozialen, ökonomischen und politischen Auswirkungen des Agrobusiness (z.B. Sojaanbau, Forstwirtschaft) und des Bergbaus. Im Rahmen dieses Schwerpunktes führt Barbara Göbel das Teilprojekt "Transnationaler Bergbau und sozio-ökologische Ungleichheiten: Lithium Abbau in der Puna de Atacama" durch.

Koordination: Dr. Barbara Göbel; Laufzeit 2009 - 2013

Umwelt, Weltbild und Ressourcennutzung im Andenhochland Nordwest-Argentiniens

Im Zentrum des Projektes steht die Frage, wie ökonomische Strategien durch kulturspezifische Umweltwahrnehmung, religiöse Vorstellungen und soziale Interaktionen mitbestimmt werden. Es soll auf diese Weise ein Beitrag geliefert werden für eine präzisere Erfassung der komplexen Zusammenhänge zwischen Interesse, Wissen (Einstellungen, Risikowahrnehmung, Informationen, Konventionen) und Handeln. Ein interkultureller Vergleich der Umweltkonzeptualisierungen und Risikovorstellungen von indigenen Hochlandbewohnern und Vertretern staatlicher, kirchlicher und politischer Organisationen ermöglicht darüber hinaus genauer zu erfassen, wie sich Umweltwissen in multiplen kulturellen Interaktionszusammenhängen und unterschiedlichen Machtkonstellationen verändert. Das Projekt basiert auf mehreren ethnographischen Feldforschungen in Nordwest-Argentiniens und Nord-Chile und umfassender Archivarbeit in Argentinien, Chile und Bolivien. Eine Monographie ist in Vorbereitung.

Koordination: Dr. Barbara Göbel



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