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Ohrwürmer aus der Zeit von Grammophon und Schellackplatten

Mit einem Grußwort des Botschafters von Peru S.E. Augusto David Teodoro Arzubiaga Scheuch wurde am 6. Oktober 2026 die Ausstellung Orte und Medien der Musik: Lima in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts im IAI eröffnet. Sie lädt zu einer Entdeckungsreise durch das lebendige urbane Musikleben der peruanischen Hauptstadt vor hundert Jahren ein.

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Welche Ohrwürmer erklangen vor hundert Jahren in Cafés oder Theatern der peruanischen Hauptstadt? Welche Künstler*innen wurden gefeiert? Wie haben Radio, Grammophon und Schallplatten den Alltag und die Musikkultur verändert?

Ibero-Amerikanisches Institut
Ausstellung Orte und Medien der Musik: Lima in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts / Lugares y medios de la música: Lima en la primera mitad del siglo XX © Ibero-Amerikanisches Institut

Pianolarollen, historische Theaterzeitschriften und Partituren

Die Ausstellung des Ibero-Amerikanischen Instituts (IAI) in Kooperation mit der Botschaft von Peru in Deutschland (externer Link, öffnet neues Fenster) zeigt Pianolarollen – dies sind Notenrollen für selbstspielende Klaviere -, Schellackplatten, Partituren, Kultur- und Radiozeitschriften und Cancioneros genannte Hefte mit den Texten populärer Lieder. Historische Aufnahmen erklingen an einer Hörstation.

Diese Intermedialität ist für die Sammlungen des IAI charakteristisch, wie Direktorin Barbara Göbel in ihrer Begrüßung hervorhob.

Ausstellungseröffnung Orte und Medien der Musik: Lima in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts / Lugares y medios de la música: Lima en la primera mitad del siglo XX, 06.10.2026. © Ibero-Amerikanisches Institut
Ausstellung Orte und Medien der Musik: Lima in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts / Lugares y medios de la música: Lima en la primera mitad del siglo XX © Ibero-Amerikanisches Institut

Damals weit verbreitet und heute schwer zu finden - die Sammlung Gérard Borras im IAI

Ausstellungseröffnung Orte und Medien der Musik: Lima in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts / Lugares y medios de la música: Lima en la primera mitad del siglo XX, 06.10.2026, IAI. © Ibero-Amerikanisches Institut
Ausstellung Orte und Medien der Musik: Lima in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts / Lugares y medios de la música: Lima en la primera mitad del siglo XX © Ibero-Amerikanisches Institut

Zahlreiche der ausgestellten Objekte stammen aus dem Archiv des französischen und in Peru ansässigen Musikethnologen Gérard Borras. Die außergewöhnliche Sammlung zur populären Musikkultur Limas befindet sich seit 2019 im IAI und wird seither beständig erweitert.

Ricarda Musser, Leiterin des Medienreferats des IAI und Kuratorin der Ausstellung, wies auf die enge Verflechtung mit weiteren Sammlungen des IAI zur Populärkultur Lateinamerikas hin, die ebenfalls seltene, mitunter sogar weltweit unikale Materialien bergen.

Vielfältige Kooperationen und eine Einladung an Musikliebhaber

Die noch junge Geschichte der Sammlung im IAI ist auch eine der Kooperationen, daran erinnerte S.E. der Botschafter von Peru, Augusto David Teodoro Arzubiaga Scheuch in seinem Grußwort. So fand u.a. 2023 als gemeinsame Veranstaltung ein öffentlicher Vortrag von Gérard Borras (externer Link, öffnet neues Fenster) statt.

Im Rahmen des 2022 in Berlin am IAI angesiedelten X. Internationalen Kongresses des Red de Lyra Minima fand für ein größeres Publikum auch ein Konzert im Musikinstrumenten-Museum (externer Link, öffnet neues Fenster) am Kulturforum (externer Link, öffnet neues Fenster) statt, das beliebte Stücke der Epoche aus Lima zum Klingen brachte.

Die Eröffnung der aktuellen Ausstellung untermalte die peruanische Gitarristin, Komponistin und Musikethnologen Virginia Yep mit Stücken wie dem Walzer Recuerdos de Lima.

Aus einer Mischung verschiedener Einflüsse wie dem europäischen Walzer, der Polka, indigenen und afrikanischen Traditionen entwickelte sich an der Küste Perus sukzessive jene música criolla, die mit dem Massenkonsum des Radios ab den 1930er Jahren populär wurde und die bereits früh durch US-amerikanischen Firmen auf Schallplatten verbreitet wurde.

Die Tonträger der Sammlung Gérard Borras im IAI (externer Link, öffnet neues Fenster) umfassen 9.000 Schellackplatten, 6.800 Langspielplatten und 62 Pianola-Rollen (gelochte Papierrollen, die ab ca. 1900 als Steuerungsmedium für selbstspielende Klaviere verwendet wurden).

Ausstellungseröffnung Orte und Medien der Musik: Lima in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts / Lugares y medios de la música: Lima en la primera mitad del siglo XX, 06.10.2026, IAI. © Ibero-Amerikanisches Institut
Ausstellungseröffnung Orte und Medien der Musik: Lima in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts / Lugares y medios de la música: Lima en la primera mitad del siglo XX, 06.10.2026, IAI. © Ibero-Amerikanisches Institut

Internationale wissenschaftliche Vernetzung

Ausstellung Orte und Medien der Musik: Lima in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts / Lugares y medios de la música: Lima en la primera mitad del siglo XX © Ibero-Amerikanisches Institut
Ausstellung Orte und Medien der Musik: Lima in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts / Lugares y medios de la música: Lima en la primera mitad del siglo XX © Ibero-Amerikanisches Institut

Gérard Borras selbst ließ – vor Eröffnung des XI. Internationalen Kongresses des Red de Lyra Minima in Morelia (externer Link, öffnet neues Fenster), Mexiko (14.-17.10.2026) – zur Ausstellungseröffnung in Berlin seine Grüße übermitteln. Das Red de Lyra Minima RELYMI (externer Link, öffnet neues Fenster) ist ein Netzwerk von Wissenschaftler*innen, die aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven zu populärkulturellen Phänomenen der Vergangenheit und Gegenwart arbeiten. Im Fokus stehen dabei Cancioneros und verschiedene lyrische Formen sowie deren Entstehung und Rezeption innerhalb und außerhalb Lateinamerikas. 

Ungefähr alle drei Jahre bietet der abwechselnd in Lateinamerika und Europa durchgeführte Kongress ein Forum für den wissenschaftlichen Austausch. Bei dem in diesem Jahr für RELYMI von Mariana Masera (UNAM (externer Link, öffnet neues Fenster)), Gloria Chicote (UNLP) (externer Link, öffnet neues Fenster) und Ricarda Musser (IAI) koordinierten Kongress ist das IAI mit Beiträgen von Ricarda Musser und Christoph Müller, stv. Direktor der Bibliothek des IAI, vertreten.

Mit einer Melodie im Kopf durch den Tag – und wie sie ihren Weg ins Ohr fand

Die aktuelle Ausstellung zum musikalischen Leben Limas macht deutlich, wie präsent Musik im Alltag jener Zeit verankert war – und welche Rolle unterschiedliche Medien über Ton, Bild und Text bei ihrer Verbreitung spielten.

Den Aspekt einer Stadt im Wandel angesichts sich rasant entwickelnder Medientechniken und neuer, globaler Dynamiken sowie Parallelen zur Aktualität, machte in ihren Überlegungen zu Entstehung und inhaltlicher Ausrichtung der Schau Isabel Richter deutlich, gleichfalls Kuratorin der Ausstellung und bis 30.9.2026 Referendarin im IAI.

Jan Paul Theißen, ebenfalls Kurator und Referendar am IAI, unterstrich, wie sich aus der Vielfalt der ausgestellten Materialien auch ablesen lässt, wie Musik im technischen Sinne empfangen oder gehört wurde und sich so verbreitete, welche Vermarktungs- und Kommunikationswege sich in dieser Zeit neu entwickelten und welchen Stellenwert zum Beispiel die in den Cancioneros dokumentierte Liedkultur im täglichen Leben vieler Menschen hatte.

Ausstellungseröffnung Orte und Medien der Musik: Lima in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts / Lugares y medios de la música: Lima en la primera mitad del siglo XX, 06.10.2026, IAI. © Ibero-Amerikanisches Institut
Ausstellung Orte und Medien der Musik: Lima in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts / Lugares y medios de la música: Lima en la primera mitad del siglo XX © Ibero-Amerikanisches Institut

Forschen oder Stöbern – Zugänge zur Sammlung und ihrer Bedeutung

Ibero-Amerikanisches Institut
Musser, R., Richter, I., Theißen, J.P., 2026. Lugares y medios de la música: Lima en la primera mitad del siglo XX, Ausstellungskatalog. Ibero-Amerikanisches Institut, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin. doi.org/10.57727/910. Open Access: publications.iai.spk-berlin.de/receive/iai_mods_00000655  © Ibero-Amerikanisches Institut

Die Sammlung ist Quelle für Musik- und Kulturwissenschaftler*innen und in diesem Kontext auch Ausgangspunkt gemeinsamer Projekte des Staatlichen Instituts für Musikforschung (externer Link, öffnet neues Fenster) und des IAI, beides Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (externer Link, öffnet neues Fenster). 

Einen Einblick in die Zusammenarbeit von Wissenschaftler*innen des SIM und des IAI bei der Sichtung der Sammlung gibt der 2023 zweisprachig herausgegebene Band Lima in Text, Ton und Bild: die populäre Musikkultur Perus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (externer Link, öffnet neues Fenster). Ausgewählte Objekte sind in den Digitalen Sammlungen des IAI auch ortsunabhängig für Forschung und Öffentlichkeit zugänglich. 

Musik verbindet

Ausstellungseröffnung Orte und Medien der Musik: Lima in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts / Lugares y medios de la música: Lima en la primera mitad del siglo XX, 06.10.2026, IAI. © Ibero-Amerikanisches Institut
Musser, R., Richter, I., Theißen, J.P., 2026. Lugares y medios de la música: Lima en la primera mitad del siglo XX, Ausstellungskatalog. Ibero-Amerikanisches Institut, Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Berlin. doi.org/10.57727/910. Open Access: publications.iai.spk-berlin.de/receive/iai_mods_00000655  © Ibero-Amerikanisches Institut

Der zweisprachige Katalog zur Ausstellung (externer Link, öffnet neues Fenster)  erläutert, wie aus der Zusammenschau von Quellen wie etwa Partituren, Schallplatten und Cancioneros die Bedingungen der Produktion, Verbreitung und Nutzung populärer Musik rekonstruierbar werden. Dieser Zugang zu historischen Analysen populärer Liedkultur macht sichtbar, wie eng musikalische Praxis mit medialen Formen, sozialen Kontexten, technischen Entwicklungen und kulturellen Netzwerken verflochten ist. Und nicht zuletzt das vielfältige Bildmaterial des Katalogs zeigt, wie sehr Musik auch über Epochen und Ozeane hinweg Menschen verbindet.
 

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