Auf der XXIII. Internationalen Buchmesse in Guatemala Stadt (FILGUA), die vom 7. bis 19.7.2026 stattfindet, ist Deutschland der Ehrengast. Diese Rolle wird durch ein reichhaltiges Kultur- und Bildungsprogramm zusätzlich zur Präsentation von Verlagsprodukten wahrgenommen. Teil des Kulturprogramms ist eine Ausstellung, die auf einem Forschungsprojekt des Ibero-Amerikanischen Instituts beruht.
Das Projekt Briefe zwischen Guatemala und Deutschland: eine Familienkorrespondenz aus der Zeit des Nationalsozialismus (1935-1939)
Seit 2017 wird im IAI der Nachlass der Familie Becker aufbewahrt, der aus einer vielstimmigen Familienkorrespondenz mit ca. 350 Dokumenten und einem Fotoalbum besteht. Die Familie schrieb an den ältesten Sohn, der sich zum Zwecke seiner Berufsausbildung in Hamburg aufhielt. In den Briefen der Familie Becker aus Guatemala wird vom Alltag in der sogenannten „deutschen Kolonie“, von den wirtschaftlichen Erfolgen und Misserfolgen, sowie von Zukunftsplänen berichtet. Auch das politische Geschehen in Deutschland und in Guatemala erfährt in den Briefen ausführlich Erwähnung. Ein weiteres wichtiges Thema der Briefe sind Fragen der multiplen Identitäten und Zugehörigkeiten zwischen zwei Kontinenten (u.a. unterschiedliche Sprachen, kulturelle Praktiken und Normen, Repräsentationen).
Der Nachlass bildet die Grundlage für ein Forschungsprojekt zur Briefedition, das zwischen November 2023 und März 2026 durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert wurde.
Die Ausstellung auf der Buchmesse
Die Buchmesse in Guatemala Stadt bietet nun Gelegenheit, einige der Ergebnisse des Projektes vorzustellen. Auf acht Tafeln wird erläutert, wie die verschiedenen Mitglieder der Familie die Frage ihrer Identität und ihrer Zugehörigkeit zu Deutschland oder Guatemala beantworten und welche Faktoren zu der jeweiligen Antwort beigetragen haben könnten. Durch ein Interview und weitere Kontakte mit den Nachkommen der an der Korrespondenz beteiligten Familienmitglieder war es zudem möglich aufzuzeigen, wie sich die Situation in der Familie nach dem Ende des vorliegenden Briefwechsels weiterentwickelt hat.
Ein Vortrag mit Familientreffen
Im Rahmen eines Vortrags im Kulturprogramm der Buchmesse konnten weitere wichtige Aspekte aus der Korrespondenz hervorgehoben und erläutert werden. Dieser Vortrag fand in einer ganz besonderen Atmosphäre statt: circa 30 Mitglieder der Familie Becker aus mehreren Generationen waren im Publikum.