TRANSUR: Verwandelt durch den Süden. Die Zirkulation lateinamerikanischer Sozialwissenschaften in Frankreich und Deutschland
Wichtige Details
Laufzeit:
01.04.2026 - 31.03.2029
Status: laufend
Förderer:
Projektgruppe:
Wissenschaftler:innen:
- Isabel Kraft, Ibero-Amerikanisches Institut SPK, Berlin
Wissenschaftliche Assistentin - Dr. Wiebke Keim, Université de Strasbourg (externer Link, öffnet neues Fenster)
Wissenschaftliche Koordinatorin - Dr. Clara Ruvituso, Ibero-Amerikanisches Institut SPK, Berlin
Wissenschaftliche Koordinatorin
Mitantragsteller:
Université de Strasbourg
Kooperationspartner / Institutionen:
Beschreibung
Ausgangslage
Die Zirkulation akademischen Wissens vom Norden in den Süden ist eines der am stärksten untersuchten Themen in den Studien über Wissenszirkulation. Über die entgegengesetzte Richtung wissen wir jedoch deutlich weniger: Wie zirkuliert Wissen aus dem Globalen Süden und welche Rolle spielt es im Norden? TRANSUR adressiert diese Forschungslücke anhand einer vergleichenden Studie über die Zirkulation der lateinamerikanischen Sozialwissenschaften in Frankreich und Deutschland/der Bundesrepublik Deutschland im Zeitraum von der Entwicklung der Area Studies im Kontext des Kalten Krieges bis heute (1950–2024).
Die zentralen Forschungsfragen des Projekts lauten: Wie hat sich die Zirkulation der Sozialwissenschaften aus Lateinamerika nach Frankreich und Deutschland im Laufe der Zeit entwickelt? Welche Faktoren haben diese Süd-Nord-Zirkulation begünstigt, welche behindert? Wie wurden intellektuelle Debatten und Forschungsfelder beeinflusst, und wie lassen sich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Frankreich und Deutschland erklären?
Das Projekt untersucht die Zirkulation lateinamerikanischer Sozialwissenschaften in Deutschland und Frankreich anhand von drei zentralen Dimensionen: Institutionalisierung, Rezeption und Austausch sowie Übersetzung. Diese Dimensionen werden aus der Perspektive der Wissenssoziologie und der Geistesgeschichte analysiert. Darüber hinaus erfordert die Analyse die Integration von Perspektiven verwandter Disziplinen wie Politikwissenschaft, Anthropologie, Übersetzungssoziologie, Geschichte akademischer Institutionen, Science and Technology Studies (STS) sowie Informations- und Bibliothekswissenschaft, im Rahmen eines interdisziplinären und synergetischen Ansatzes.
Das internationale Projekt wird koordiniert vom Ibero-Amerikanischen Institut (IAI, Ibero-American Institute) und SAGE (Sociétés, Acteurs, Gouvernement en Europe), Université de Strasbourg, in Kooperation mit dem Institut des Hautes Études de l’Amérique latine, Université Sorbonne Nouvelle, Paris.
TRANSUR wird durch das ANR-DFG-Förderprogramm für deutsch-französische Forschungsprojekte in den Geistes- und Sozialwissenschaften von April 2026 bis März 2029 unterstützt.
Ziele
Die Teams des TRANSUR-Konsortiums haben gemeinsam die folgenden übergeordneten Projektziele definiert:
- Bereitstellung vergleichbarer Daten und empirisch fundierter Analysen zu einer weniger erforschten Richtung des Wissensflusses vom Süden in den Norden;
- Erweiterung der theoretischen und methodischen Perspektiven auf Asymmetrien und Verflechtungen in der internationalen Wissenszirkulation;
- Bewertung des Potenzials für Zusammenarbeit und Komplementarität französischer und deutscher Institutionen mit Fokus auf Lateinamerika.
Arbeitsplan
TRANSUR ist als transnationales Forschungsnetzwerk konzipiert und koordiniert die relevanten Forschungs- und Disseminationsaktivitäten eines Teams von 12 Wissenschaftler*innen aus deutschen, französischen und lateinamerikanischen Institutionen. Das gesamte Projektteam trifft sich regelmäßig zu jährlichen Workshops, um die Harmonisierung empirischer Ansätze zu gewährleisten, Synergieeffekte zu maximieren und höchste Kooperationsniveaus sowie Komplementarität der Ergebnisse zu erzielen.
Die jährlichen Workshops dienen dem Austausch über den Arbeitsprozess, der Planung gemeinsamer Aktivitäten wie der Organisation von Panels auf großen Kongressen und gemeinsamer Publikationen sowie der vertieften Diskussion von Manuskripten in Arbeit für die geplanten Publikationen. Die Einladung von bis zu vier externen Expert*innen gewährleistet neue Perspektiven und kritisches Feedback. Jeder Workshop umfasst zudem die Organisation einer öffentlichen Veranstaltung (Keynote oder Podiumsdiskussion) für die breitere akademische Gemeinschaft und Interessierte, um die Sichtbarkeit der kollektiven Arbeit zu gewährleisten. Im Rahmen des Workshops 2026 in Berlin erhalten alle Teammitglieder Zugang zu einer der wichtigsten europäischen Bibliotheks- und Archivsammlungen zu Lateinamerika am Ibero-Amerikanisches Institut.
Jedes Arbeitspaket-Team organisiert einen einwöchigen jährlichen Retreat. Diese Retreats dienen dazu, die Forschungsinstrumente (Tabellen, Interviewleitfäden, Textanalyseansätze, Auswahlkriterien für Textkorpora etc.) zu diskutieren, Forschungsfragen zu vertiefen, gemeinsam an geplanten Publikationen zu arbeiten (Schreibretreat, Diskussion von Entwürfen in Autorenworkshops, gemeinsame Redaktion) und vergleichende Perspektiven zu entwickeln.
Zu erwartende Ergebnisse
TRANSUR plant die Veröffentlichung seiner Ergebnisse in verschiedenen akademischen Formaten (Policy Papers, Fachartikel in indexierten Zeitschriften, Sammelbände) mit einem mehrsprachigen Ansatz (Englisch, Französisch, Spanisch, Deutsch, Portugiesisch) und Open Access. Außerdem sollen Teile der Forschungsdaten veröffentlicht werden, um deren Wiederverwendbarkeit zu gewährleisten. Die Ergebnisse von TRANSUR werden zudem auf internationalen wissenschaftlichen Konferenzen, Kolloquien und Symposien präsentiert.