Projektstart und internationale Zusammenarbeit
Das Ibero-Amerikanische Institut (IAI) koordiniert seit April 2026 gemeinsam mit internationalen Partnern das deutsch-französische Forschungsprojekt „TRANSUR: Transformed by the South. The Circulation of Latin American Social Sciences in France and Germany”. Mitantragsteller ist das Forschungszentrum Sociétés, Acteurs, Gouvernement en Europe (SAGE (externer Link, öffnet neues Fenster)) der Université de Strasbourg (externer Link, öffnet neues Fenster). Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG (externer Link, öffnet neues Fenster)) und der Agence nationale de la recherche (ANR (externer Link, öffnet neues Fenster)) finanzierte Projekt läuft bis März 2029 und wird zudem in Zusammenarbeit mit dem Institut des Hautes Études de l’Amérique latine (externer Link, öffnet neues Fenster) der Université Sorbonne Nouvelle (externer Link, öffnet neues Fenster) in Paris durchgeführt.
Zum Auftakt fand am 21. April 2026 das hybride Kick-off-Meeting am IAI in Berlin statt. Insgesamt arbeiten zwölf Wissenschaftler*innen aus Deutschland, Frankreich und Lateinamerika im TRANSUR-Konsortium zusammen, um zentrale Fragen der internationalen Wissenszirkulation zu untersuchen. Vom 14. bis 16. September 2026 findet der erste jährliche Workshop ebenfalls am IAI statt. Dabei erhalten die Teilnehmenden auch Zugang zu den umfangreichen Bibliotheks- und Archivbeständen des IAI, die eine zentrale Grundlage für die Forschung zu Lateinamerika bilden.
Im Rahmen des Kick-offs betonte Prof. Dr. Capucine Boidin (externer Link, öffnet neues Fenster), Vice-présidente recherche der Université Sorbonne Nouvelle und Projektpartnerin, die besondere Bedeutung tragfähiger Strukturen für die deutsch-französische Zusammenarbeit. Sie hob hervor, dass Informationsinfrastrukturen zunehmend sensibel und zugleich entscheidend für die kommenden Generationen von Forschenden sind.
Forschungsansatz und zentrale Fragestellungen
TRANSUR konzentriert sich auf einen bislang wenig untersuchten Aspekt: den Wissenstransfer in den Sozialwissenschaften vom Globalen Süden in den Globalen Norden. Das Projekt wird die Entwicklung der Rezeption lateinamerikanischen Denkens in Frankreich und Deutschland von den 1950er Jahren bis heute vergleichend analysieren.
Das Projekt geht dabei drei zentralen Fragen nach: Wie hat sich diese Süd-Nord-Zirkulation im Laufe der Zeit entwickelt? Welche Faktoren fördern oder behindern sie? Und wie prägen lateinamerikanische Ansätze wissenschaftliche Debatten und Forschungsfelder in Europa?
Drei Dimensionen und interdisziplinärer Zugang
Die Forschung erfolgt entlang von drei eng miteinander verknüpften Dimensionen, die zugleich die Arbeitspakete des Projekts bilden:
Erstens die Institutionalisierung, also die Schaffung und Entwicklung von Forschungsstrukturen, Programmen und Infrastrukturen; zweitens die Rezeption und der Austausch, also die konkrete Aneignung, Weiterentwicklung oder auch Ablehnung von Ideen; und drittens die Übersetzung, die eine zentrale Rolle für die internationale Verbreitung und Transformation von Wissen spielt.
Diese Dimensionen werden aus der Perspektive der Wissenssoziologie und der Ideengeschichte beleuchtet und durch Ansätze aus der Politikwissenschaft, der Anthropologie, den Wissenschafts- und Technikstudien sowie den Informationswissenschaften ergänzt.
Ziele und erwartete Ergebnisse
TRANSUR verfolgt drei übergeordnete Ziele:
- Die Bereitstellung vergleichbarer empirischer Daten zur bislang wenig untersuchten Wissenszirkulation vom Süden in den Norden.
- Die Weiterentwicklung theoretischer und methodischer Perspektiven auf globale Wissensasymmetrien.
- Die Stärkung der Zusammenarbeit und Komplementarität zwischen französischen und deutschen Forschungseinrichtungen mit Fokus auf Lateinamerika.
Die Ergebnisse werden in verschiedenen Formaten veröffentlicht, darunter Artikel in indexierten Fachzeitschriften, Sammelbände und Policy Papers, und werden in mehreren Sprachen sowie im Open Access zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus werden die Schlussfolgerungen auf internationalen Konferenzen vorgestellt, und Teile der Forschungsdaten werden für die weitere Nutzung bereitgestellt.
Mit TRANSUR stärkt das IAI seine Rolle als zentrale Plattform für internationale, interdisziplinäre Forschung zu Lateinamerika und setzt zugleich neue Impulse für die Analyse globaler Wissensverflechtungen.