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End- und Postklassik im nördlichen Campeche, Mexiko: Kontinuitäten und Brüche

Drittmittelprojekt

Wichtige Details

Laufzeit:

01.01.2012 - 30.11.2018

Status: abgeschlossen

Förderer:

Projektgruppe:

Wissenschaftler:innen:

  • Dr. Iken Paap
    Grabungsleitung
  • Roswitha Koenitz M.A.
    Wissenschaftliche Hilfskraft
  • Lola Martina Kaiser M.A.
    Wissenschaftliche Hilfskraft
  • Marieke Joel M.A.
    Wissenschaftliche Hilfskraft

Koordination:

Kooperationspartner / Institutionen:

Instituto Nacional de Antropología e Historia, México

Beschreibung

Ausgangslage

Dzehkabtun, eine Ruinenstätte der prä- bis endklassischen Mayakultur im Norden des mexikanischen Bundesstaates Campeche, ist der Forschung bekannt, seit Teobert Maler sie 1887 besuchte und verschiedene Gebäude und Monumente im Zentrum der Siedlung beschrieb, fotografierte und skizzierte.

 

Das Vermessungs- und Grabungsprojekt schließt an Voruntersuchungen aus dem Jahr 2008 an, in deren Rahmen das Zentrum des Ortes durch ein Team der Universität Bonn unter Leitung von Dr. Iken Paap vermessen wurde. Dabei zeigte sich, dass Dzehkabtun um einiges größer und architekturstilistisch heterogener war als bisher angenommen - so gibt es Hinweise auf großflächige Bauaktivitäten in der End- oder Epiklassik. 

 

Webseite des Projektes (externer Link, öffnet neues Fenster)

Ziele

DKZ Dachkamm, Detail

Diese späten Bauten unterscheiden sich in der Bauweise und Raumkonzeption von den vergleichsweise gut dokumentierten "c-förmigen Strukturen" im nördlich benachbarten Puuc-Gebiet. Sie wurden im Rahmen des Projektes archäologisch untersucht, um Fragen nach der Kontinuität seit der Klassik (während derer Dzehkabtun im Übergangsgebiet von zwei architektonischen Stilregionen lag), dem soziopolitischen Gefüge und den Gründen für die Aufgabe dieser Siedlung wie auch der benachbarten Zentren auf der zentralen Halbinsel Yucatán in einen größeren regionalen Zusammenhang stellen zu können. Daneben wurde die Vermessung und Kartierung der Siedlung fortgesetzt.

Zu erwartende Ergebnisse

Türsturz Detail

Das archäologische Projekt des Ibero-Amerikanischen Instituts (Stiftung Preußischer Kulturbesitz) hatte zum Ziel, von 2012 bis 2018 in Dzehkabtún – einem Fundort der prä- bis endklassischen Mayakultur auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán – exemplarisch für die Region Fragen zu den soziopolitischen Zusammenhängen am Übergang von der Spät- zur Endklassik und zum Ablauf dieses Überganges zu beantworten. Dafür wurden das Zentrum der Siedlung mit seiner großflächigen epiklassischen Bebauung und Teile der Peripherie mittels Flächengrabungen und stratigraphischen Sondagen untersucht. Da für die zentrale Halbinsel Yucatán (Chenes-Region im nördlichen Bundesstaat Campeche) bis heute keine durchgängig stratigraphisch abgesicherte Chronologie der prähistorischen Besiedlung zur Verfügung stand, wurde darüber hinaus die Organisation und Entwicklung der gesamten Siedlung seit ihrer Entstehung untersucht und in einem regionalen (Chenes-Gebiet) wie überregionalen (Fernhandelsnetze) Kontext analysiert. Im Ergebnis liegt nun eine Chronologie und durchgehende Keramiksequenz von der mittleren Präklassik (1000 BC) bis in die späte Endklassilk (950 AD) vor, die diese Forschungslücke für die zentrale Halbinsel Yucatán schließt. Unerwartet war dabei u.a. zum einen die sehr deutliche präklassische (pre-Mamom-zeitliche) Präsenz in Dzehkabtún, die für Zentralyucatán erstmals in diesem Umfang nachgewiesen werden konnte und zum anderen der bis auf vereinzelte Deponierungen in der bereits aufgelassenen Siedlung völlige Abbruch mit dem Einsetzen der Postklassik. Die Ergebnisse der Grabungen in Dzehkabtún zeigen in der späten Endklassik eine deutliche Regionalisierung der wirtschaftlichen Beziehungen, verbunden mit einer Entwicklung innerhalb der Siedlung, die deutliche Krisen- und Aggressionsphänomene zeigt, wie eine schnelle Auflassung oder gewaltsame Zerstörung von Gebäuden und Tötung von Individuen – dies jedoch mit sehr unterschiedlichem Verlauf im Zentrum und in der Peripherie des Fundortes. Parallel scheint es zu einer Verschlechterung der Wasser- und Nahrungsversorgung gekommen zu sein. Weder im Fundspektrum noch im stratigraphischen Befund lässt sich jedoch ein vollständiger Traditionsabbruch oder gar ein Hiatus erkennen. Dieser erfolgte erst zu Beginn der Postklassik. Damit tragen die Erkenntnisse aus Dzehkabtún wesentlich zu einem breiteren Verständnis zur Dynamik des endgültigen Kollapses der klassischen Maya-Kultur außerhalb der großen Machtzentren des Tieflandes bei.


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