Im vergangenen Jahr haben Dr. Cid Swanenvleugel (Leiden University (externer Link, öffnet neues Fenster), Niederlande), Dr. Martin Kohlberger (University of Saskatchewan (externer Link, öffnet neues Fenster), Kanada) und Dr. Rita Eloranta (Hanken School of Economics (externer Link, öffnet neues Fenster), Finnland), Spezialist*innen für historische Linguistik und Sprachdokumentation, das IAI mehrfach besucht, um die in den Nachlässen der beiden bedeutenden deutschen Altamerikanisten Eduard Seler und Walter Lehmann überlieferte sprachliche Vielfalt zu erfassen. Ermöglicht wurde diese Forschung durch ein Global Innovation Fund-Projekt mit dem Titel „Paths to the Past: Reconnecting Shiwiar and Mochica Peoples with Their Cultural Legacies (externer Link, öffnet neues Fenster)“, finanziert von der University of Saskatchewan und geleitet von Dr. Kohlberger und Dr. Eloranta.
282 Sprachen in den Nachlässen von Eduard Seler und Walter Lehmann nachgewiesen
Bei einer laufenden Sichtung der Nachlässe von Eduard Seler und Walter Lehmann im Ibero-Amerikanischen Institut (IAI) wurden bislang Materialien zu 282 Sprachen aus rund 60 Sprachfamilien identifiziert, die praktisch alle Länder Nord-, Zentral- und Südamerikas abdecken. Die vorläufigen Ergebnisse unterstreichen das erhebliche Potenzial dieser Bestände sowohl für die sprachwissenschaftliche Forschung als auch für indigene Gemeinschaften.
Sprachliche Vielfalt größer als bisher angenommen
Eine erste Sichtung, mit einem Schwerpunkt auf dem Nachlass von Eduard Seler und unter Einbeziehung von Teilen des Nachlasses von Walter Lehmann, hat bereits sprachwissenschaftliche und ethnografische Materialien zu 282 Sprachen aus rund 60 Sprachfamilien ans Licht gebracht. Damit deutet sich an, dass die sprachliche Vielfalt der beiden Nachlässe noch deutlich größer ist als bislang angenommen.
Die Materialien sind für die internationale sprachwissenschaftliche Forschung von besonderem Interesse, insbesondere für Forschende, die mit der deutschsprachigen Tradition der Amerikaforschung weniger vertraut sind und daher möglicherweise nicht vermuten, dass sich einschlägige historische Quellen in Berlin befinden. Zugleich können sie eine wertvolle Ressource für indigene Gemeinschaften darstellen und Möglichkeiten bieten, sprachliche und kulturelle Materialien wieder mit den Gemeinschaften zu verbinden, deren Geschichte sie dokumentieren.
Ergebnisse werden vervollständigt
Die bisherigen Ergebnisse sind allerdings nur ein erster Einblick. Die systematische Auswertung der Bestände soll fortgesetzt werden und verspricht weitere Erkenntnisse über die in den Nachlässen überlieferten Sprachen und ethnografischen Materialien. Eine ausführlichere Veröffentlichung der Ergebnisse ist vorgesehen.
Auch über das IAI hinaus soll die Aufmerksamkeit auf diese Quellen gelenkt werden. Anlässlich der internationalen Konferenz Language Documentation and Archiving 2026 (externer Link, öffnet neues Fenster), die vom 9. bis 11. September 2026 in Berlin stattfindet, soll auf die im IAI vorhandenen Sprachmaterialien aufmerksam gemacht werden.
Die vorläufigen Ergebnisse machen bereits jetzt deutlich, welches Potenzial die historischen Sammlungen des IAI für die Erforschung und Dokumentation der sprachlichen Vielfalt Amerikas bergen. Die noch ausstehende vollständige Auswertung der Nachlässe dürfte dieses Bild weiter ergänzen und präzisieren.
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