Forschung

In den Jahren 2010-2014 konzentriert sich die Forschungstätigkeit des IAI auf den Schwerpunkt „Kulturtransfer und wissenschaftlicher Austausch zwischen Europa und Lateinamerika“. Unter Kulturtransfer verstehen wir nicht allein eine Übertragung von Informationen und Ideen von einem Ort zum anderen oder einer Person zur anderen, sondern die Vermittlung, Transformation und Aneignung von Objekten, Handlungsweisen, Orientierungen, Texten und Diskursen. Damit rücken wechselseitige Vermittlungen sowie Rezeptions-, Austausch- und Verarbeitungsprozesse in den Vordergrund. Transferprozesse finden sowohl durch direkten Kontakt zwischen Personen und Institutionen als auch vermittelt durch Bücher, Periodika, Bild- und Tonträger sowie andere Medien statt. Es handelt sich dabei – anders als der traditionelle Gebrauch des Begriffes Transfer dies suggerieren könnte – nicht um unilaterale, sondern um komplexe und wechselseitig miteinander verschränkte Prozesse. Als wissenschaftlichen Austausch definieren wir wechselseitige Lehr-, Studien- und Forschungsaufenthalte in der jeweils anderen Region, aber auch wissenschaftliche Kommunikations- und Kooperationsprozesse auf persönlicher und institutioneller Ebene zwischen Europa und Lateinamerika. In diesem Zusammenhang interessiert auch, inwiefern durch derartige Prozesse Wissen, Praktiken, Methoden und Technologien aus einer Region in die andere übertragen werden. Insofern sind Kulturtransfer und wissenschaftlicher Austausch oft eng miteinander verknüpft.
Die zentralen Fragestellungen im Rahmen des Schwerpunktes „Kulturtransfer und wissenschaftlicher Austausch zwischen Europa und Lateinamerika“ lauten:
- Wie laufen die Prozesse des Kulturtransfers und des wissenschaftlichen Austauschs zwischen Europa und Lateinamerika ab, welche Phasen können dabei unterschieden werden und wie verändern sich diese Prozesse im historischen Zeitverlauf?
- Wie werden Inhalte und Praktiken im Prozess des Kulturtransfers und des wissenschaftlichen Austauschs selektiert, transferiert, angeeignet und verändert?
- Welche wissenschaftlichen Diskurse, Theorien, Methoden und Techniken werden in der jeweils anderen Region rezipiert und auf welchen Wegen?
- Welche Veränderungen durchlaufen sie durch Prozesse des Kulturtransfers und des wissenschaftlichen Austauschs? Welche wechselseitigen epistemologischen Einflüsse sind zu beobachten?
- Welche Rolle spielen Akademiker, Intellektuelle und Künstler für Austausch- und Transferprozesse zwischen beiden Regionen? Welche Rolle spielen wissenschaftliche, kulturelle und politische Institutionen?
- Welche Rolle spielen wissenschaftliche und kulturelle broker, Knotenpunkte (Relais), Netzwerke und Beziehungen zwischen Wissenszentren? Wie entstehen und funktionieren wissenschaftliche und kulturelle Netzwerke zwischen den beiden Regionen? Welche Rolle spielt dies für die Konstituierung von transnationalen epistemischen Gemeinschaften?
- Wie gelangen kulturelle und technische Objekte von einem Ort zum anderen und wie werden sie im neuen Kontext angeeignet und verändert?
- Welche Rolle spielen politische, ökonomische, ideologische und religiöse Faktoren sowie gesellschaftliche Machtverhältnisse bei den Prozessen des Kulturtransfers und des wissenschaftlichen Austauschs?
Ausführliche Darstellung des Forschungsprogramms 2010-2014:
