Ibero-Amerikanisches Institut
Preussischer Kulturbesitz


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Interdependente Ungleichheitsforschung in Lateinamerika - desiguALdades.net

Laufzeit01.12.2009 - 30.04.2014
KoordinationDr. Barbara Göbel
Förderer

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Auswahl

1. Mitantragsteller

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2. Kurzbeschreibung

Ausgangslage

Das Kompetenznetz „Interdependente Ungleichheitsforschung in Lateinamerika“, desiguALdades.net, ist ein internationales, interdisziplinäres und multi-institutionelles Forschungsnetz. Es wird vom Lateinamerika-Institut (LAI) der Freien Universität Berlin und dem Ibero-Amerikanischen Institut (IAI) der Stiftung Preußischer Kulturbesitz getragen. Dementsprechend sind die Sprecher des Projektes Sérgio Costa und Marianne Braig vom LAI und Barbara Göbel vom IAI. Zwei weitere Kerninstitutionen sind das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik, Bonn, und das GIGA German Institute of Global and Area Studies, Hamburg. Das Kompetenznetz wird vom BMBF im Rahmen seiner neuen Förderlinie „Stärkung und Weiterentwicklung der Regionalstudien (Area Studies)“ finanziell unterstützt.

Ziele

desiguALdades.net beschäftigt sich mit sozialen Ungleichheiten in Lateinamerika, die durch wachsende globale Verflechtungen geprägt sind. Etwa 70 renommierte Regionalforscher und Ungleichheitsexperten aus Deutschland, Europa und den beiden Amerikas setzen sich gemeinsam mit den Wechselwirkungen zwischen sozialen Ungleichheiten und transregionalen Interdependenzen auseinander. Sie wollen hierdurch einen innovativen Beitrag zur Weiterentwicklung der sozialwissenschaftlichen Ungleichheitsforschung leisten.

Die beiden erkenntnisleitenden Fragestellungen des Kompetenznetzes sind: a) Inwieweit werden die Zugangs- und Verteilungsmöglichkeiten zu/von erstrebenswerten Gütern und sozialen Positionen in Lateinamerika nicht allein durch lokale, regionale und nationalstaatliche, sondern auch durch globale und transregionale Interdependenzgeflechte geprägt? b) Inwieweit tragen transregionale Ungleichheitsfigurationen zu ungleichen Machtpositionen und/oder Interaktionsmöglichkeiten bei und führen zu dauerhaften Einschränkungen der Lebensqualität und Entwicklungschancen der betroffenen Individuen, sozialen Gruppen oder Gesellschaften?

Lateinamerika bietet sich in besonderem Maße für eine derartige Forschungsperspektive an. Zum einen ist der Subkontinent durch stark ausgeprägte soziale, ökonomische und kulturelle Ungleichheiten geprägt; eine Situation, die eine lange historische Kontinuität aufweist. Zum anderen sind die Ungleichheiten in einem bedeutenden Maß von den transregionalen Verflechtungen Lateinamerikas beeinflusst.

Ein weiterer wichtiger Grund für den gewählten regionalen Schwerpunkt ist die Dynamik und Innovationskraft der neueren lateinamerikanischen Ungleichheitsforschung. Die deutsche Forschung hat die Diskussion um soziale Ungleichheiten seit den Anfängen der modernen Sozialwissenschaften wesentlich mitgeprägt; die neuen theoretischen Perspektiven, die in lateinamerikanischen Debatten entwickelt wurden, jedoch bislang nichtausreichend rezipiert.Es ist deshalb ein wesentliches Ziel von desiguALdades.net den transatlantischen Dialog zwischen Forschern aus Deutschland und den beiden Amerikas zu befördern. Mit seiner Fokussierung auf transregionale Interdependenzen und Wirkungszusammenhänge von Ungleichheiten verfolgt das Kompetenznetz nicht allein ein Forschungsziel, sondern auch ein Vernetzungsziel. Es will Forschungsstränge, die sich bislang parallel entwickelt haben, miteinander verbinden, um so neue theoretische und methodische Perspektiven für die Ungleichheitsforschung entwickeln zu können.

Arbeitsplan

Um die oben angeführten Fragestellungen zu untersuchen, wird analytisch zwischen verschiedenen Dimensionen der Ungleichheit unterschieden: I. der sozio-ökonomischen Dimension, II. der sozio-politischen Dimension und III. der sozio-ökologischen Dimension. Den Kern von jedem Forschungsbereich bildet eine Gruppe von fünf bis sechs Wissenschaftlern, die die unterschiedlichen Schwerpunktthemen dieser Bereiche bearbeiten und Verknüpfungen zwischen ihnen herstellen. Außerdem gehören dem Netzwerk assoziierte Forscher und Institutionen in Deutschland, Europa und den beiden Amerikas an.

Der Forschungsbereich I – die sozio-ökonomische Dimension der Ungleichheit - verfolgt eine eher strukturanalytische Perspektive. Sie wird traditionell in der Ungleichheitsforschung von der politischen Ökonomie und der Soziologie geprägt und durch Beiträge aus der Geschichtswissenschaft und Rechtswissenschaft bereichert. Im Forschungsbereich II - sozio-politische Dimension sozialer Ungleichheiten - wird eine vorwiegend machtanalytische Perspektive auf (trans-)regionale Logiken und Muster der Wahrnehmung, Repräsentation, Erfahrung und Aushandlung von Ungleichheiten eingenommen, wie sie in verschiedenen Ansätzen der Politikwissenschaft, Soziologie, Ethnologie, Geschichtswissenschaft und Rechtswissenschaft zum Ausdruck kommt. Im Zentrum des Interesses des sozio-ökologischen Forschungsbereiches III ist die Umwelt als ein Prisma interdependenter Ungleichheiten. Neben Ressourcen- und Umweltfragen stehen hier insbesondere wissens- und kulturanalytische Betrachtungsweisen im Vordergrund, so wie sie in bestimmten Strömungen der Ethnologie, der Sozialgeographie und der Soziologie entwickelt wurden. Die Forschungsdimension III der sozio-ökologischen Ungleichheiten wird vom Ibero-Amerikanischen Institut koordiniert.

Die drei Forschungsbereiche werden über den IV. Forschungsbereich miteinander verknüpft, der sich systematisch mit methodischen und theoretischen Fragen auseinandersetzt. Der Schwerpunkt liegt in inhaltlich-theoretischer Hinsicht auf unterschiedlichen Zeitdimensionen und Raumskalen sowie auf der Systematisierung von Transfer- und Verflechtungsprozessen.

Darüber hinaus koordiniert das Ibero-Amerikanische Institut das Querschnittthema zu Wissensasymmetrien.

Zu erwartende Ergebnisse

Dem Kompetenznetz steht eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung, um seine Forschungs- und Vernetzungsziele zu erreichen. Zum einen vergibt es Doktoranden-Stipendien (Kurzzeit- und Langzeit-Stipendien) und Post-Doktoranden-Stipendien. Darüber hinaus kann es Forschungsaufenthalte von Gastwissenschaftlern finanzieren. Jährliche Konferenzen, Sommer-Akademien, entwicklungspolitische Seminare und Workshops fördern den wissenschaftlichen Austausch und die inhaltliche Profilierung des Kompetenznetzes.

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3. Produkte

Vorträge

  • Second Summer School 2011:

    "Interdependent Inequalities in a Global Perspective. Class, Racial, Gender and Ethnic Asymmetries in Latin America". IDES, Buenos Aires, Argentinien. 31 Oktober – 4 November, 2011

Publikationen

  • Publikationen

    Die Forschungsergebnisse des Netzwerkes werden in Monografien, Sammelbänden, Artikeln und Dissertationen veröffentlicht. Für Publikationen zu den sozio-ökologischen Ungleichheiten siehe z.B.: Braig, Marianne und Göbel, Barbara (Hrsg.). 2013. Globalización de la naturaleza y ciudadanía: resistencias, conflictos, negociaciones. Sonderband der Iberoamericana; sowieGöbel, Barbara und Ulloa, Astrid (Hrsg.). 2014. Extractivismo minero en Colombia y América Latina, serie Perspectivas Ambientales, Bogotá: Universidad Nacional de Colombia, Biblioteca Abierta, Colección General.Darüber hinaus erscheint die desiguALdades.net Working Papers Series, die online zugänglich ist und von Dr. Barbara Göbel (IAI) koordiniert wird. In der 1. Förderphase sind 72 Working Paper erstellt worden; von denen sich die Working Paper 7,13, 14,17, 20,19, 23, 26, 34, 38, 41, 48, 50,56, mit sozio-ökologischen Ungleichheiten auseinandersetzen und die Working Paper 21, 32,39, 59,62 mit Wissensasymmetrien.Seit 2012 gibt es CROLAR, eine halbjährlich erscheinende Onlinezeitschrift, die kritische Reviews der Lateinamerika Forschung veröffentlicht. Die interdisziplinäre Publikation ist frei zugänglich. Die Zeitschrift ist eine Initiative der Doktoranden und Doktorandinnen von desigualdades.net. Wissenschaftler des Netzwerks sind im Advisory Board, Editorial Board und als Redakteure der Zeitschrift aktiv.

Weitere Produkte

  • Konferenzen

    Das Kompetenznetzwerk richtet regelmäßig eine große themenspezifische internationale Konferenz aus, die den Austausch zwischen Regional- und Ungleichheitsforschung stärken soll. Es sind zwischen 2009 und 2014 drei internationale Konferenzen in Berlin ausgerichtet worden:

  • Inaugural Conference:

    Global Interdependencies: Latin American Configurations December 2-4, 2010, Berlin

  • Second Annual Conference:

    New Differences, Persistent Inequalities? Latin American Experiences. December 8 - 9, 2011, Berlin

  • Third Annual Conference:

    Inequalities in Latin America: Frictions between Global Configurations and National Negotiations, April 10 -11, 2014, Berlin.

  • Sommerakademien

    Die Sommerakademien werden an Partnerinstitutionen in den beiden Amerikas durchgeführt. Sie dienen der regionalen Vernetzung des Kompetenznetzes.

  • First Summer School on Interdependent Inequalities in Latin America.

    CEM/CEBRAP São Paulo, Brasilien. 1.-5. November, 2010

  • Third Summer School 2012:

    “Asymmetries of Knowledge: Unequal Knowledges – Knowledge Inequalities”. Universidad Nacional de Colombia, Bogotá and Villa de Leyva, Kolumbien. 29 Oktober – 3. November, 2012

  • Fourth desiguALdades.net Summer School 2013:

    “The Globalization of Nature and Social Inequalities: Structures – Disputes – Negotiations”. Pontificia Universidad Católica del Perú, Lima, Peru, 21 – 25 Oktober 2013

  • Entwicklungspolitisches Seminar

    Die entwicklungspolitischen Seminare, die das DIE organisiert, stärken die Übersetzung zwischen Wissenschaft und Praxis.

  • Workshops

    Workshops dienen der wissenschaftlichen Profilierung und Weiterentwicklung der Forschungsbereiche des Kompetenznetzes.Außerdem werden regelmäßige öffentliche Vorträge veranstaltet. Es werden mit institutionellen Partnern in Deutschland und Lateinamerika gemeinsame wissenschaftliche Veranstaltungen durchgeführt (Symposien, Workshops) und die Ergebnisse des Netzwerkes auf internationalen Tagungen durchgeführt.



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