Ibero-Amerikanisches Institut
Preussischer Kulturbesitz


Three gables




Forschungszentrum

Das Forschungszentrum Ibero-Amerikanisches Institut

Die Verbindung von bibliothekarischen Dienstleistungen, Kulturarbeit, eigener Forschung, Forschungsunterstützung, wissenschaftlichen Tagungen und Publikationstätigkeit macht eine Besonderheit des Ibero-Amerikanischen Institutes (IAI) aus, wie sie in dieser Kombination auch international nur selten anzutreffen ist. Die Schwerpunkte der institutseigenen Forschungstätigkeit lagen zunächst in den Bereichen Kunstgeschichte, Geographie und Altamerikanistik/Ethnologie. Seit den 1970er Jahren erfolgte eine Ausweitung auf historische Themen, ab Mitte der 1980er Jahre konnte sich das IAI dann auch mit literatur- und sprachwissenschaftlicher Forschung einen Namen machen.

Nicht zuletzt mit Blick auf die Hauptstadtfunktionen Berlins intensivierte das Institut seit 1999 seine Aktivitäten im Bereich der Politik- und Gesellschaftswissenschaften, ohne den traditionellen Schwerpunkt der Geistes- und Kulturwissenschaften zu vernachlässigen. Gegenwärtig verfügt das IAI über vier Planstellen für WissenschaftlerInnen, die durch eine Historikerin, einen Literaturwissenschaftler, einen Ethnologen und einen Politikwissenschaftler bekleidet werden. Als außeruniversitäre Forschungseinrichtung bietet das IAI keine eigenen Lehrveranstaltungen an, aber die WissenschaftlerInnen des Institutes engagieren sich traditionell auch als Lehrende an den verschiedenen Berliner Universitäten.

In den Jahren 2010-2014 konzentriert sich die Forschungstätigkeit des IAI auf den Schwerpunkt „Kulturtransfer und wissenschaftlicher Austausch zwischen Europa und Lateinamerika“.

Nicht nur die in Europa konkurrenzlose Spezialbibliothek des IAI, sondern auch die fast 300 hier vorhandenen Gelehrtennachlässe stellen einen reichen Fundus für die nationale und internationale Forschung dar. Die formale Erschließung und wissenschaftliche Auswertung der Nachlässe gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Institutes. Aufgrund knapper Ressourcen konnte allerdings bislang erst ein Teil der Materialien geordnet und katalogisiert werden. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war ein mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft durchgeführtes und 2003 abgeschlossenes Projekt zur formalen Erschließung des Nachlasses von Max Uhle.

Bestandteil der intensivierten Bemühungen um eine internationale Präsenz als Forschungszentrum ist auch das im Jahr 2002 aufgelegte Stipendienprogramm des IAI. Es ermöglicht die Förderung von zehn bis zwölf wissenschaftlichen Vorhaben pro Jahr, vorzugsweise solchen, die im Zusammenhang mit den Forschungsschwerpunkten des Institutes stehen. Die Stipendien, deren Dauer bis zu drei Monate beträgt, sollen europäische und lateinamerikanische WissenschaftlerInnen in die Lage versetzen, die hervorragenden Bestände der Bibliothek und der Sondersammlungen des IAI für ihre Forschungsarbeiten zu nutzen und gleichzeitig Kontakte zu den am IAI tätigen ForscherInnen aufzubauen oder zu vertiefen. Dazu dient auch ein regelmäßig stattfindendes interdisziplinäres Wissenschaftliches Kolloquium, in dem GastwissenschaftlerInnen ihre Projekte vorstellen und mit den WissenschaftlerInnen des Institutes diskutieren. Das hauseigene Stipendienprogramm stellt damit eine wichtige Ergänzung zu den Programmen anderer Förderinstitutionen, beispielsweise des Deutschen Akademischen Austauschdienstes oder der Alexander von Humboldt-Stiftung, dar.

Im Rahmen der institutseigenen Forschungstätigkeit, aber auch im Kontext der Zusammenarbeit mit anderen in- und ausländischen Forschungseinrichtungen, organisiert das IAI neben zahlreichen Einzelvorträgen pro Jahr 4-6 größere wissenschaftliche Tagungen und Kongresse. Die Ergebnisse solcher Tagungen, die unter Beteiligung zahlreicher lateinamerikanischer WissenschaftlerInnen immer wieder ein facettenreiches Bild der Geschichte, Kultur und Politik der Region zeichnen, werden in der Regel auch veröffentlicht.

Das IAI verfügt selbst über drei Zeitschriften und drei Monographienreihen:

  • Die viermal jährlich erscheinende "Iberoamericana. América LatinaEspañaPortugal" ist eine Zeitschrift für Literatur, Geschichte und Sozialwissenschaften, die ausschließlich Beiträge in spanischer, portugiesischer und englischer Sprache veröffentlicht. Sie erscheint seit 2001 und trat damit die Nachfolge des 1924 begründeten und von 1930-1944 sowie von 1975-2000 vom IAI herausgegebenen Ibero-Amerikanischen Archivs an.
  • Die Zeitschrift "Indiana" erscheint seit 1972 einmal pro Jahr und ist der Erforschung der indigenen Völker und Kulturen Süd- und Mesoamerikas gewidmet. Traditionell in erster Linie den einzelnen Zweigen der Altamerikanistik gewidmet, veröffentlicht Indiana in jüngerer Zeit auch vermehrt Beiträge aus dem Bereich der Ethnologie und ist offen für Querverbindungen zu Disziplinen wie der Geschichte, den Sozial- und Kulturwissenschaften.
  • Seit 2003 erscheint die "Revista Internacional de Lingüística Iberoamericana" (RILI). Sie ist dem Studium der iberoromanischen Sprachen in allen spanisch- und portugiesischsprachigen Ländern gewidmet.
  • In der seit 1959 erscheinenden "Bibliotheca Ibero-Americana" finden Monographien und Sammelbände zu einem breiten Spektrum der lateinamerikanischen und iberischen Realität ihren Platz, von Literatur und Sprache bis zu Geschichte, Wirtschaft, und Politik. Unter den fast 120 Büchern, die bis 2007 in der Reihe veröffentlicht wurden, verdienen die "heute-Bände" besondere Erwähnung: "Mexiko heute. Politik, Wirtschaft, Kultur" erschien erstmals 1992, erlebte seitdem mehrere Neuauflagen und entwickelte sich rasch zum Standardwerk. Auch die heute-Bände zu Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Kuba, Portugal und Spanien (bereits in der vierten Auflage) vermitteln einen breiten und fundierten Einblick in die Geschichte, Politik, Wirtschaft und Kultur des jeweiligen Landes.
  • Die seit 1996 erscheinende "Biblioteca Luso-Brasileira" veröffentlicht Arbeiten, die sich mit der Kultur und Politik der lusophonen Welt beschäftigen.
  • In der Reihe "Estudios Indiana" (früher "Indiana Beihefte") finden Monographien und Sammelbände ihren Platz, die dem thematischen Spektrum der Zeitschrift Indiana entsprechen.

Neben diesen Reihen sowie zahlreichen Einzelpublikationen, die zunehmend auch in Kooperation mit lateinamerikanischen Verlagen realisiert werden, veröffentlicht das IAI drei kleinere Serien im Selbstverlag: Die "Ibero-Analysen" liefern aktualitätsbezogene, aber über den tagespolitischen Horizont hinausreichende Informationen zu Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur der Länder Ibero-Amerikas. Die "Ibero-Bibliographien" präsentieren Literaturübersichten zu Themen, die mit den Forschungs- und Sammelschwerpunkten des IAI in Verbindung stehen. In der Reihe "Ibero-Online" werden hervorragende Vorträge veröffentlicht, die am IAI gehalten wurden.

Die Forschungstätigkeit des Ibero-Amerikanischen Institutes stand lange Zeit nur wenig im Blickfeld der Öffentlichkeit. Und dies, obwohl bereits Ernesto Quesada (1858-1934), der mit der Schenkung seiner Bibliothek den entscheidenden Impuls zur Gründung des IAI geliefert hatte, das Institut zu einem "Mekka für die lateinamerikanische Forschung in Europa" machen wollte. Hier sollten deutsche ForscherInnen und Studierende die Möglichkeit erhalten, sich mit der lateinamerikanischen Geschichte und Geisteswelt vertraut zu machen, und lateinamerikanische WissenschaftlerInnen ein Stück heimatlichen Boden mitten in Europa vorfinden. Diesem Wunsch Ernesto Quesadas kann das IAI heute zu großen Teilen entsprechen. Es bietet deutschen und internationalen ForscherInnen eine hervorragende institutionelle Infrastruktur, eine fachkundige und unbürokratische Betreuung und eine anregende, interdisziplinäre Arbeitsatmosphäre. Zusammen mit der eigenen Forschungs- und Publikationstätigkeit ergibt sich daraus ein Institutsprofil, das den Weg nach Berlin für alle an Lateinamerika, Spanien und Portugal interessierten WissenschaftlerInnen lohnend macht.



2007 || Ibero-Amerikanisches Institut Preussischer Kulturbesitz
http://www.iai.spk-berlin.de/